Beeck
Willi Fährmann erzählt das Duisburg seiner Kindheit

Konzeption und Regie: Thomas Böhm & Klaus Sander
Erzähler: Willi Fährmann
Aufnahmen: Klaus Sander
Schnitt und Mastering: Michael Schlappa
Produktion: supposé 2014

2-CD-Set, 92 Minuten
ISBN 978-3-86385-008-1
Euro 22,80

Ausgewählt für die hr2-Hörbuchbestenliste (Januar 2015)
Hörbuch der Woche, B5 aktuell (Juli 2014)
Bayern 2-Favorit (Juli 2014)

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Das Rheinufer bei Duisburg-Beeck bildet den Übergang zwischen der Industrielandschaft von Zechen und Kohlen zur bäuerlich geprägten Welt des Niederrheins. Willi Fährmann, aufgewachsen in Beeck, erzählt seine Kindheit an diesem westlichen Rand des Ruhrgebiets. Seine Familiengeschichte ­ die Großeltern kamen aus Ostpreussen, der Vater arbeitete in der bekannten König-Brauerei ­ ist eng verknüpft mit der Geschichte der Region. So geben seine episodenreichen Erzählungen einen Einblick in den Alltag und die Feste eines Arbeiterstadtteils, das Leben entlang und auf dem Fluss. Sie schildern aber auch das Aufkommen der Nationalsozialisten und die Zerstörung des Ruhrgebiets im Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive eines Heranwachsenden.

CD1
01 Zwei Omas und zwei Opas
02 Duisburg
03 Hochzeitsgeschenk
04 Schichtwechsel
05 Deputatbier
06 Onkel Karl
07 Sonntagsausflüge
08 Schifferkinder
09 Auf der Straße
10 Eine saubere Familie
11 Abendbrot bei Oma
12 Durcheinander
13 Onkel Ditz
14 Beecker Kirmes
15 Sparen
16 Hochdeutsch
17 Zwei Fuhrgeschäfte

CD 2
01 Kinderfest auf dem Lehnhof
02 Adlerfedern
03 Lehrer Sturm
04 Erholungsheime
05 Fontanestraße
06 Leopoldstal
07 Bombennach
08 Volkssturm
09 Zurück in Duisburg



Willi Fährmann, geboren 1929, Kinder- und Jugendbuchautor.

Stimmen der Kritik:

"Es beginnt reviertypisch bei den ostpreußischen und polnischen Wurzeln seiner Vorfahren und endet bei den verheerenden Bombardements des Zweiten Weltkriegs. Dabei entfaltet Fährmann seine große Kunst, Erzählfäden beinahe unsichtbar miteinander zu verknüpfen, ohne dass man ein Ende herbeisehnen würde. Im Gegenteil, man könnte Stunde um Stunde weiter zuhören."
(Jens Dirksen, WAZ, 12. Mai 2014)

"Diese Form von Lokalgeschichte, durchwirkt von persönlichen Anekdoten und Erinnerungen, taugt nicht als Buch, nicht als Roman und nicht als Sachtext. Diese Lokalgeschichte muss man hören, damit sie sich ausbreiten kann. In der Stimme schwingt, neben allem Charme und der Begeisterung für die eigene Geschichte, eben auch die Authentizität mit, die eine solche Erzählung braucht. Hier wird etwas festgehalten, was gern als banal abgetan wird. Etwas, das das Leben selbst ist und sich nur so lange erhält, wie Menschen sich erinnern. Und in der freien Wanderung der Gedanken bleibt viel mehr hängen als in einem konzentriert geschriebenen Text."
(Ulrich Sonnenschein, hr2 Kulturfrühstück, 27. Juni 2014)

"Fährmanns fast durchgehend heiterer Erzählton, die engagierten plastischen Schilderungen, bieten eine wunderbare Gelegenheit, das finstere Duisburg-Klischee vor dem inneren Auge zu übermalen."
(Kirsten Böttcher, Bayern 2 Diwan, 5. Juli 2014)

"Klaus Sander und Thomas Böhm waren wieder auf Tour. Diesmal besuchten sie den Kinderbuchautor Willi Fährmann und ließen ihn frei von seiner Kindheit im Duisburger Stadtteil Beeck erzählen. Warmherzig und uneitel breitet der über 80-jährige vor uns ein Panorama des so genannten Ruhrpotts aus, mit seiner Mischung aus dörflicher Idylle, Arbeiterquartieren und Industrieanlagen."
(hr2-Hörbuchbestenliste, Januar 2015)

"In diesem sehr ansprechend gestalteten Hörbuch berichtet Willi Fährmann in freier Rede über seine Kindheits- und Jugendjahre im westlichen Ruhrgebiet, erzählt von seiner Herkunft aus einer Arbeiterfamilie und schildert seine wichtigsten Lebenserfahrungen bis zum 20. Lebensjahr. In seiner Familiengeschichte bildet sich viel Ruhrgebiets-Typisches, aber auch Zeit-Typisches ab: von der Arbeitsstelle des Vaters in einer Brauerei über die sehr bescheidenen Lebensverhältnisse bis zu der Kindheit auf der Straße. Überaus anschaulich und in humorvollem Ton vergegenwärtigt Fährmann das Leben in einem Ruhrgebiet der Zechen und Eisenhütten, das auch Heimat war und das es heute so nicht mehr gibt."
(Ronald Schneider, ekz bibliotheksservice, 16. Februar 2015)

"In der Duisburger Kindheit des Schriftstellers Willi Fährmann gab es den Lehrer Sturm, der hemmungslos auf seine Schüler einprügelte. Es gab die Großeltern väterlicherseits in Liebenberg, Ostpreußen, in deren Haus der Enkel ein paar Brocken Polnisch lernte, über die Großeltern mütterlicherseits kam das niederrheinische Platt in die Familie, und nur wenn der Kaplan zu Besuch kam, sprach diese Oma Hochdeutsch. Über die Kindheit Fährmanns kann man manches in seinem Erinnerungsbuch "Das Glück ist nicht vorbeigegangen" (2009) erfahren. Detailreicher tritt sie in der Doppel-CD zutage, in der Fährmann in mündlicher Erzählung von ihr berichtet (Beeck. Willi Fährmann erzählt das Duisburg seiner Kindheit. supposé Verlag, Berlin 2014). Man hört ihm die Duisburger Färbung an, aber auch, dass im Elternhaus Hochdeutsch gesprochen wurde, der Vater, der in der König-Brauerei arbeitete, orientierte sich am Mittelstand. 'Katholische Ratten' riefen im Duisburger Stadtteil Beeck die evangelischen Kinder hinter dem Jungen her, und es gab ein soziales Gefälle, in dem die Katholischen, zumal, wenn sie 'Polacken' waren, nicht oben standen. Der Katholizismus, die Einwanderer aus Polen, die ihre Namen germanisierten, die Bombennächte im Ruhrgebiet, das Unterkommen in einem Dorf in Ostwestfalen, die Einberufung zum Volkssturm ('das war so der letzte Haufen, der Deutschland retten sollte') - von allen Details führen Fäden ins Werk des Kinder- und Jugendbuchautors. Am Donnerstag ist er im Alter von 87 Jahren in Xanten gestorben."
(Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung, 27. Mai 2017)