Vilém Flusser
Heimat und Heimatlosigkeit

Herausgegeben von Klaus Sander
Produktion: supposé 1999

Audio-CD, 49 Minuten
Booklet, 16 Seiten
ISBN 3-932513-12-6
vergriffen

"Man hält die Heimat für den relativ permanenten, die Wohnung für den auswechselbaren, übersiedelbaren Standort. Das Gegenteil ist richtig: Man kann die Heimat auswechseln oder keine haben, aber man muß immer, gleichgültig wo, wohnen. Der Mensch kann überall wohnen: unter den Pariser Brücken, in Zigeunerkarawanen, in den Hütten der Paulistaner Favelas und sogar in Auschwitz. Er ist wie die Ratte - kosmopolitisch...
Wer aus der Heimat vertrieben wird (oder den Mut aufbringt, von dort zu fliehen), der leidet. Die geheimnisvollen Fäden, die ihn an Dinge und Menschen binden, werden zerschnitten. Aber mit der Zeit erkennt er, daß ihn diese Fäden nicht nur verbunden, sondern angebunden haben, daß er nun frei ist, neue zwischenmenschliche Fäden zu spinnen und für diese Verbindungen die Verantwortung zu übernehmen."

CD:
Die eigene Biographie (Robion, September 1991) 3:34
Heimat und Heimatlosigkeit (Weiler/Allgäu, August 1985) 44:40
Ungekürzte Originaltonaufnahme

Booklet:
Häuser bauen (1989)
Vom Zelten (1990)
Vertreibung (1989)
Nationalsprachen (1991)
(Reproduktion der Originalmanuskripte)

Stimmen der Kritik:

"Vilém Flusser besaß die seltene Gabe, Thesen zum technischen Fortschritt und zum Fremdenhaß miteinander zu verknüpfen. Sein legendärer Vortrag Heimat und Heimatlosigkeit, der jetzt auf CD erschienen ist, verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Medientechnik und der ethischen Frage nach dem Umgang mit dem anderen aus fremden Kulturen." (Telepolis)

"Wenn Flusser redet, geschieht Unvergleichliches: Kühne Theorie und gegen den Strich Gedachtes komprimiert sich zum rhetorischen Feuerwerk!"
(Herbert Spaich, SWR)

"Diese CD ist uneingeschränkt zu empfehlen! Flussers Art, Gedankengänge zu entwickeln sind unvergleichlich...
(Reticon)

"Seine Bücher wurden in den achtziger Jahren viel gelesen. Man wird in den kommenden Jahrzehnten nicht ohne sie auskommen. Aber es ist noch überzeugender, seine Stimme zu hören, auch der begeistertste Leser sollte Flussers CD über Heimat und Heimatlosigkeit hören. Sie ist ein großartiges Gegengift für alle nostalgischen Regungen der Gegenwart. Das alte Prager Deutsch, das hier und da überlagert wird von durch die Aneinanderreihung von a, u, und o in die Länge gezogenen brasilianischen Lauten, immer wieder ein auffälliger englischer Zwischenton. Und auch das Französische bricht manchmal durch, wenn ein ch auf ein i folgt. Flussers Stimme hat Flussers Geschichte aufgezeichnet, und wer ihr zuhört, der bekommt eine Ahnung davon, wie weit man sich von der Heimat entfernen kann, ohne sie los zu werden, und wer nicht nur hört, wie Flusser spricht, sondern auch darauf, was er sagt, dem wird klar, dass darin auch ein Fluch liegt." (Arno Widmann, Perlentaucher)

"Das Erfrischende an Flussers Zugang auf Heimat liegt daran, dass er durch seine Erfahrungen in Brasilien den eurozentristischen Blick weit hinter sich gelassen hat. Dem durch die Zeitumstände zum globalen Wanderer gewordenen Philosophen ist Heimat zutiefst suspekt: "Der Mensch ist ein wohnendes, aber nicht notwendigerweise ein beheimatetes Wesen." Nach zwei Jahrhunderten Heimatideologien wirft er den Begriff in die Ausnüchterungszelle der Entmystifikation." (Thomas Milz, ZVW Rems-Murr-Kultur)