Wem gehört die Geschichte?
Aleida und Jan Assmann über Erinnern und Vergessen
Konzeption & Regie: Thomas Knoefel und Klaus Sander
Erzähler: Aleida und Jan Assmann
Aufnahmen: Klaus Sander
Schnitt und Mastering: Michael Schlappa
Produktion: supposé 2011

2 Audio-CDs, 100 Minuten
ISBN 978-3-932513-94-7
Euro 19,80

Hörbuch der Woche, B5 aktuell (Oktober 2011)
Bayern 2-Favorit (Oktober 2011)

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Aleida und Jan Assmann, seit Jahrzehnten ein eingespieltes Team, sind als Literaturwissenschaftlerin und Ägyptologe der Erinnerungskultur auf der Spur: unseren Gedächtnissen, Inszenierungen von Geschichte, Mnemotechniken, Mythen, der Geschichte in Geschichten. Die programmatische Praxis von supposé, eine eigenständige Kunstform für das frei erzählte Wort zu entwickeln, wird hier mit einer Produktion fortgeführt, die aus dem Gespräch heraus auch eine Theorie solchen Erzählens unternimmt und dabei zwei Stimmen, zwei sich ergänzende Perspektiven zu Wort kommen lässt.
Aleida und Jan Assmann beleuchten, wie Fakten und Fiktionen, Erinnern und Vergessen zusammenhängen. Sie finden altägyptische Ideen in unserer christlich-abendländischen Welt, fragen, ob Monumentalbauten als Zeichen politischer Identität heute noch zeitgemäß sind, wie wir die "kreative Zerstörung" oder gegenwärtige Rekonstruktion symbolträchtiger Bauten verstehen können und was das ehemalige Bildungsbürgertum vom heutigen Konsumenten unterscheidet. In einem Wechselspiel freier Rede erörtern sie das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, Erinnerungsarbeit und Zeitzeugenschaft, den Kanon, das Heilige, die Traumata unserer jüngsten Vergangenheit und Denkmäler im Raum und in der Zeit.
Immer wieder kommen die Assmanns dabei auf die Frage zurück: Wem gehört die Geschichte? Wer hat die Hoheitsgewalt, darf sich Geschichte aneignen? Wenn in ihren lebhaften und inspirierenden Denkbewegungen die frühen Hochkulturen auf die Gegenwart treffen, die Pyramiden auf den Palast der Republik, Homer auf Marcel Proust, dann ergeben sich überraschend neue, erhellende Perspektiven.

CD1
1 Die Noch-Gegenwart des Vergangenen
2 Geschichte und Fiktion
3 Unerzählbares
4 Oral History
5 Vom Wandel des Historismus
6 Erinnerungsmodelle
7 Aneignung von Geschichte

CD2
1 Erinnern und Vergessen
2 Trauma
3 Identitätsstiftung durch Architektur
4 Kreative Zerstörung
5 Weltmeister der Anastylose
6 Heilige Kühe
7 Die Geburtsstunde des Kanons
8 Denkmäler in der Zeit

Stimmen der Kritik:

"Die Idee von Thomas Knoefel und Klaus Sander, für das Label supposé die Assmanns an die Mikrofone zu bitten und gemeinsam erzählen zu lassen, war charmant: ein Ehepaar im Rückblick auf den Werdegang ihres Theorie-Babys, das eine so erstaunliche Karriere erlebt hat. Zudem passt dieses originelle Zwiegespräch in die großartige supposé-Reihe Erzählte Wissenschaft, in der bedeutende Gelehrte über ihr Fachgebiet plaudern. Routiniert spaziert also das Ehepaar in freier Rede durch die kulturellen Weiten: sie forciert rasch, fast ungeduldig, er ruhig und gemessen, einander ablösend und nie unterbrechend, sondern sicht stets rücksichtsvoll ausreden lassend. So lässt man sich vom assoziativen Erzählen mittragen, das um menschliche Erinnerung und ihre symbolischen Formen kreist: Es geht um Pyramiden, Proust und Albert Speers monumentale Architekturentwürfe, mythische Erzählformen, die Notwendigkeit des Vergessens und problematische Zeitzeugenschaft. Anschaulich, sympathisch und anekdotenreich."
(Alexander Cammann, DIE ZEIT, 20. April 2011)

"Jenseits von allen akademischen Eitelkeiten gelingt es Aleida und Jan Assmann, dem interessierten Hörer entscheidende Türen zu öffnen, die in die Vergangenheit führen, ohne dass sie dabei die Gegenwart aus dem Blick verlieren."
(Michael Opitz, Deutschlandradio Kultur, 3. Juni 2011)

"Aleida und Jan Assmann haben den Erinnerungsdiskurs in den letzten zwei Jahrzehnten durch ihre wissenschaftlichen Arbeiten geprägt. Kollektives Gedächtnis, Erinnerungskultur, Überlieferung - das sind die Themen, die sie, sich gegenseitig die Bälle zuwerfend, noch einmal anhand historischer Episoden durchspielen. Es ist nicht nur ein Gewinn, den beiden dabei zuzuhören, sondern auch ein Vergnügen."
(Ulrich Rüdenauer, Falter, 10. August 2011)

"Aleida und Jan Assmann sprechen abwechselnd, einander ergänzend - dieses Hörbuch enthält gewissermaßen einen dialogischen Vortrag, der jedoch nicht im Duktus einer Universitätsvorlesung daherkommt. Denn in der Reihe 'Erzählte Wissenschaft' von supposé geht es immer um eine persönliche Form der Wissensvermittlung, die im Gespräch entsteht: Die Sprache wird einfacher, wenn man ohne Manuskript spricht. Außerdem gewinnt die Atmosphäre für den Hörer eine Intimität, in der man den beiden gerne folgt auf ihren Gedankengängen über das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, Zeitzeugenschaft und historischem Kanon, Erinnern und Vergessen."
(Christel Wester, WDR 3 Passagen, 11. August 2011)

"Die Haltung der Nachgeborenen zur Vergangenheit unterliegt Veränderungen, sodass auch das Bild von der Geschichte Wandlungen erfährt. Die Geschichte gehört denen, die sie deuten. Das Interesse der Assmanns ist darauf gerichtet, wie sich der Umgang mit der Geschichte im Spannungsfeld von politischer Vereinnahmung und geschichtlicher Aufarbeitung gestaltet."
(Michael Opitz, hr2 Mikado, 12. August 2011)

"100 Minuten, die einem nie lang werden."
(Knut Cordsen, B5 aktuell, Oktober 2011)

"Indem beide Assmanns, einander abwechselnd, selbst erzählen, bekommt man einen eleganten Abriß der (Vor-)Geschichte ihrer eigenen Postition zu hören. Dazu kommt die Begeisterung für das gemeinsame Denken, für Nilstandsmessungen und Kohl-Kritik sowie für polnische Handwerker, die durch den Aufbau der Warschauer Altstadt zu 'Weltmeistern der Anastylose' (Rekonstruktion von Gebäuden) wurden."
(Tim Schomacker, literatur konkret, Nr. 36, 2011/2012)

"Aleida und Jan Assmann erklären, was wir erinnern. Ein Dialog zwischen Ägyptologie und Literaturwissenschaft - und ein spannendes Gespräch zweier leidenschaftlicher Erzähler."
(Jürgen Wiebicke, Philosophie Magazin, April/Mai 2013)