Gershom Scholem
Die Erforschung der Kabbala
Originaltonaufnahmen 1967

Herausgegeben von Thomas Knoefel und Klaus Sander
Produktion: supposé 2006

2-CD-Set, 110 Minuten
Booklet, 8 Seiten, mit einem biografischen Essay von Andreas Kilcher
ISBN-10: 3-932513-66-5
ISBN-13: 978-3-932513-66-4
EUR 24,80

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Ein Jude, geboren 1897, mit einem Lebenslauf, quer durch die Katastrophen des Jahrhunderts, den es durch die Welt, von Berlin nach Jerusalem getrieben hat: Gershom Scholem - Historiker und Philosoph. Früh widersetzt er sich allen Formen der Assimilation, lernt Hebräisch, wendet sich dem Zionismus zu. Und vor allem: Er dringt vor ins Innerste, ins Herz der jüdischen Mystik, macht die Kabbala zum lebenslangen Objekt seiner Forschung. Scholem holt die Kabbala, diese, wie ein Fremdkörper, in der jüdischen Geschichte ruhende Überlieferung, aus der Vergessenheit ans Licht der Philologie. In ihr begegnet Scholem einer jüdischen Theosophie: den Mysterien der Gottheit und seiner Schöpfung. Er sucht ihre philosophische Dimension für die Moderne fruchtbar zu machen, indem er die Verluste offenbart, die mit einer verlorenen, vergessenen Tradition so schmerzlich groß werden können.
In diesen Tonaufnahmen, in denen Scholem die Geschichte seines Lebens, aber auch die des Judentums erzählt, sind die Unruhen, die Brüche, die Ausschreitungen, einer dunklen Zeit immer gegenwärtig - in einem Atemzug mit den Kräften des Zusammenhalts, der Erneuerung und des Glaubens, die Scholem aus der Tradition heraus ins Bewusstsein hebt: freilegt, pflegt und wachsen lässt. Eine Stimme, wie sie eindringlicher, zärtlicher, beschwörender nicht sein könnte!

CD1
1 Kindheit in Berlin
2 Brotlose Künste
3 Erste Kabbala-Studien
4 Philosophische Interessen
5 Die Blindheit der Juden
6 Jerusalem
7 Die zionistische Bewegung
8 Hebräische Universität
9 In die Tiefe der Sache selbst
10 Geburtswehen
11 Nachkriegsdeutschland
12 Die rabbinischen Fabeln
13 Die jüdische Mystik

CD2
1 Die Tradition des Judentums
2 Abtrünnige Geister: Marx, Freud, Bergson
3 Heilige der Chassidim
4 Mythische, häretische und unbürgerliche Aspekte
5 Verschüttete Überlieferung
6 Mystik oder historisches Bewußtsein
7 Die Welt der Kabbala
8 Werkzeuge der Erkenntnis
9 Die jüdische Zukunft
10 Ein lebendiger Organismus
11 Die siebzig Gesichter der Offenbarung
12 Augen, um zu sehen
13 Mut und etwas Demut

Stimmen der Kritik:

"Bescheidener und zugleich vornehmer wird man selten einen Wissenschaftler von sich und seiner Arbeit reden hören." (hr2-Hörbuchbestenliste)

"Ein autobiographischer Bericht über die Entdeckung der jüdischen Mystik aus dem Geist des säkularen Judentums. Das Leben des großen Religionswissenschaftlers zwischen seiner Berliner Kindheit um 1900 und der Professur in Jerusalem. Vorgetragen in freier, jedes Wort sorgfältige abwägender Rede. Ein einzigartiges Fundstück." (Gregor Dotzauer, Der Tagesspiegel)

"Die gesprochene Sprache in ihrer Anmut und unverkürzten Anmutung: Während die audiovisuelle Wortmeldung zur knapp gekappten Floskel tendiert und der Originalton zum leeren Echo, betont der Kölner CD-Verlag supposé den Reiz der Rede, welche - in ihrem Sagen und Schweigen - die geistige Gestalt des Sprechenden modelliert. Wie sehr dies für einen Gelehrten gilt, der seinen Gegenstand recht eigentlich erst er- oder wiedergefunden hat, ist mit dem superben Radioessay des Religionsphilosophen Gershom Scholem zu vernehmen. Die 1967 eingespielte Darlegung der 'Erforschung der Kabbala' gerät zum persönlichen und philosophischen Rückblick auf einen Lebensweg von siebzig Jahren. Da ist die private, politische und geographische Linie des Sohnes assimilierter Berliner Bürger von den Studien in Berlin, Bern und München bis hin zur Auswanderung nach Jerusalem 1923. Darüber lagert sich die eminente intellektuelle Biografie eines Wissenwollenden, der das Licht seines brillanten (akademisch geschulten mathematischen) Geistes dazu verwandte, die verschüttete jüdische Mystik auszuleuchten. Luzide, wie dieser Verstand, ist auch dessen Rede: Gefasst in gelassenem Takt - wirkungsvolle 4/4! -, darf mitunter auch ein Anflug jüdischen Witzes vom Ernst des Lebenswerks abheben." (Christiane Zintzen, Neue Zürcher Zeitung)

"Eine besondere Art von Audio-Autobiographie, die vom eigenen Leben ebenso viel preisgibt wie von der Welt des Judentums allgemein... Eine wunderbare Doppel-CD." (Knut Cordsen, Bayern 2 Radio, Hörbuch-Magazin)

"Der berühmte Mystikforscher Gershom Scholem berichtet aus seinem Leben. Seine Stimme ist ruhig, die Sätze sind klar und wohlformuliert. Er erzählt von seiner Kindheit, dem Studium, den Anfängen des Nationalsozialismus und seiner Alija, vom frühen Interesse an kabbalistischen Schriften und dem steinigen Weg, den einer gehen muss, der eine ganze wissenschaftliche Disziplin nahezu im Alleingang auf den Weg bringen will. Ein Zeitzeuge und Anhänger der zionistischen Bewegung gibt Auskunft über seine Zeit in Palästina vor der Staatsgründung Israels - Scholems Biographie ist vor allem das unprätentiös vorgetragene Selbstzeugnis eines Wissenschaftlers, der maßgeblich zum Aufbau der modernen Judaistik beigetragen hat... Die vom Kölner Verlag supposé besorgte Ausgabe ist gut ausgestattet: Neben der Doppel-CD enthält das Booklet einen biographischen Essay mit vielfältigen Hintergrundinformationen über die historischen und philosophischen Bezugspunkte in Scholems Werk. Die Klangqualität ist perfekt, und: der Herr berlinert, und das auch noch nach über 40 Jahren in Eretz Israel..." (Jüdisches Berlin)

"Scholem gilt als Wiederentdecker der Kabbala. Der Mystikforscher wanderte bereits 1923 nach Palästina aus. In den vorliegenden Tondokumenten erzählt er aus seinem Leben und führt in seine wissenschaftliche Arbeit ein. Eine ausgefallene Audio-Autobiographie." (FRIZZ Frankfurt)

"Scholem setzt im Vortrag sorgfältig seine Worte. Er erzählt von dem völlig assimilierten Berliner Elternhaus, in das er 1897 als Gerhard Scholem geboren wurde. Er macht den Spott seines Vaters nach - über den Hang seines 'Herrn Sohn' zu den brotlosen Künsten. Schließlich hätte keine Universität, kein Ministerium in Deutschland an die Förderung Jüdischer Studien gedacht, damals, als es doch hier noch ein 'in Gärung befindliches' Judentum gab. Scholem berichtet vom Antisemitismus in München (eine 'unerträgliche' Atmosphäre), von seiner Ankunft als Zionist in Jerusalem 1923, einer Stadt, die vollgesogen war mit Tradition, voller alter Bücher, die die zum Sterben angereisten Juden dort hinterlassen hatten. Und er berichtet, welches Befremden seine kabbalistischen Studien auch dort noch lange hervorriefen." (Christian Esch, Berliner Zeitung)

"Auch die Geisteswissenschaften sind bei supposé vertreten. Eine Doppel-CD verdient besonders hervorgehoben zu werden. Es ist 'Die Erforschung der Kabbala'. Sie versammelt Archivaufnahmen des in Berlin geborenen Judaisten Gershom Scholem: ein bewegendes Dokument." (Gerhard Mahlberg, hr2 Mikado spezial)

"Er spricht ruhig, in fein konstruierten, gut verständlichen Sätzen und mit einem leichten Berliner Akzent - doch was Gershom Scholem (1897-1982) zu erzählen hat, ist nichts weniger als ein Kulturbruch. Zu seinem 70. Geburtstag gab der bedeutende Historiker und Philosoph des Judentums ausführlich Auskunft über seine intellektuelle Biografie und seine Arbeit. Schon in seiner Berliner Jugend wandte sich Scholem ab von der Kultur seiner Eltern, von jener deutsch-jüdischen Symbiose, wie sie viele Juden seit der Aufklärung und vor Hitlers Machtübernahme erträumten. Anschaulich erzählt Scholem, wie gross das Befremden seiner Mitwelt war. Selbst Walter Benjamin, der grosse Freund, weigerte sich, den Kulturbruch mitzumachen." (Peter Müller, Tages-Anzeiger, Zürich)

"Eine ausgesprochen interessante Originalaufnahme, es ist eine große Freude Gershom Scholem zu hören, die Doppel-CD ist eine exzellente Einführung in Leben und Werk dieses Wissenschaftlers." (Ole Frahm, Freies Sender Kombinat Hamburg, Lorettas Leselampe)

"Keine Bange vor dem Philosophen! Scholem gibt Einblicke in seine Biografie, die er lebendig erzählt. Und auch über sein Werk berichtet er, doch schwierig werden die Ausführungen nie. So ist die Doppel-CD eine schöne Möglichkeit, sich ihm zu nähern. Mit großer Ruhe erzählt Scholem aus seinem Leben, macht das Zuhören angenehm, und unmerklich nimmt seine positive Ausstrahlung gefangen." (Karina Küser und Harald Lordick, Kalonymos)

"Der 1923 nach Jerusalem ausgewanderte Scholem spricht 1967, immer noch berlinernd, über sein Elternhaus und seine Faszination für die jüdische Mystik. So akkurat und leidenschaftlich klingt der Siebzigjährige, dass man tatsächlich das Psychogramm einer Forscherpersönlichkeit aus der Erzähl- und Sprechweise heraushört." (Jutta Person, Literaturen, Oktober/November 2010)

"Mit sachlicher Inbrunst erzählt Gershom Sholem sein Leben, und man lauscht mit Bewunderung."
(Gisela Trahms, Culturmag, 15. Dezember 2010)