Agentur Bilwet

Elektronische Einsamkeit

Was kommt, wenn der Spaß aufhört?
Aus dem Niederländischen von Petra Ilyes
Produktion: supposé 1997

Buch, 120 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-932513-04-6
EUR 9,80

Kategorie:

Beschreibung

Es ist soweit: Das neue Buch der Agentur Bilwet aus Amsterdam ist da! Nach Bewegungslehre (1991), Medien-Archiv (1993) und Datendandy (1994) nun endlich 12 neue Maxi-Essays der holländischen Philosophie-Guerilla. Berichte aus der “Elektronischen Einsamkeit” über das “Zeitalter der guten Absichten”, die “Gesellschaft des Debakels”, “Organisierte Unschuld”, “Formen des Verfalls”, “Künstliche Liebe” und “Die Rache des Körpers”.

Der kurze Sommer der Medien liegt hinter uns – die Stagnation hat ihren Durchbruch. Computernetze sind dem Pionierstadium entwachsen, virtueller Sex und glamouröse Cyberwelten haben ihren Glanz verloren, die Nintendo-Generation ist volljährig, aber: Was kommt, wenn der Spaß aufhört?

“Alle Hoffnung, daß die Theorie noch ein erlösendes Wort bringen kann, muß dem Erdboden gleichgemacht werden. Theorie ist keine Lebenshilfe und kein Ersatz für in Vergessenheit geratene Kulte und Ideologien.”

 

Inhalt

Zeitalter der guten Absichten
Elektronische Einsamkeit
Gesellschaft des Debakels
Organisierte Unschuld
Out of Context
Homöopathie des Bösen
Posthumane Natur
Beruf: Methodologe
Künstliche Liebe
Die Rache des Körpers
Gegen die ökologische Identität
Formen des Verfalls

Pressestimmen

"Die Agentur Bilwet zelebriert gewohnt kurzweilig das Zeitalter des versierten Drauflosdenkens. (Medien-)Theorie für uns alle, die ganz nah an den Dingen bleibt..."
StadtRevue Köln

"In den Momenten zwischen Systemabsturz und Telefonrechnung ein Leitfaden, der die Kosten leise zusammenrechnet..."
neue bildende kunst

"Das Buch kulminiert in Anregungen dafür, wie es gelingen könnte, die aussichtslose Lage nicht nur zu ertragen, sondern diese zur Quelle für ein reiches Leben werden zu lassen."
artefakt

"Was die Lektüre dieser verdichteten Kulturpessimisten spannend macht, ist ebendies: die Ver-Dichtung, die soviel von der pointierten, sinnlich-anschaulichen Sprache lebt wie von jener provokanten Haltung, die beharrlich Apodiktisches mit Apokalyptischem verbindet. In einem Stakkato der Wendungen und Windungen werden Spiel und Ernst, Wissenschaft und Essayismus, Phänomenologie und Paradoxie, Offenbares und Surreales miteinander vermählt, um die bestehenden Grenzen hinwegzufegen."
Medienwissenschaft

"Die Frage 'Martin Buber, wo bist du?' schwebt über allen Seiten. Dem Ich, so der Befund, gehe nämlich durch die wirklichkeitsverändernde Kraft von elektronischen Medien und digitaler Kommunikation zunehmend das konkret spiegelnde Gegenüber verloren, mit unabsehbaren Folgen für die weitere Gestalt der Gattung. Die Qualität des Bändchens liegt in den pointierten Schlüssen, die daraus gezogen werden. Und eigentümlicherweise rücken Körper und Geist auf den Schwingungen solcher Emphase mitunter recht eng zusammen: Was diagnostisch gemeint war, wird so selbst zum angewandten Beisiel für 'gestylte Verzweiflung'. Wenn nämlich 'Lösungen' kaum mehr möglich scheinen, bekommt Gestaltung ein ganz anderes Gewicht: 'Nach der Frage von Kant und Foucault: Was ist Aufklärung' lautet die Frage nun: Was ist Verwirrtheit?' Die Agentur Bilwet stellt sie knapp, eindringlich und anregend."
medien praktisch

"Selbst Guy Debord wüßte hier nicht weiter: Jede Flucht scheint ausgeschlossen, wenn der Wohnraum, vormals Rückzugsort, zum hybriden Arbeitsplatz wird und von öffentlichem Raum sowieso nur noch die Unverbesserlichen sprechen. Ein erbarmungsloser Blick auf einen lebensfeindlichen Zustand. Wer hier auf Wende, das Kapitel des Trostes oder ein 'Naja, so schlimm ist es nun auch wieder nicht!' wartet, ist in diesem Szenario ganz schön aufgeschmissen. Darkness rules! Was fast schon ein bißchen gut tut bei der nicht enden wollenden Medieneuphorie drumherum..."
de:bug

"In ihren Texten, die thematisch weit über Netzspezifika wie Telearbeit, Cyborgs oder Cybersex hinausgehen, versuchen die 'bilwets' gegenüber den momentan heiß gehandelten Theoriesurrogaten und Ersatzreligionen eine kritische Position zu bewahren. Dies bedeutet einerseits eine Absage an Konzepte gaia-gläubiger Esoterik und gnostischer Verschwörungen im Cyberspace, andererseits eine Wachsamkeit gegenüber vermeintlichen Experten, die in der allgemeinen Verwirrung alles erklärenden Theorien freie Fahrt erteilen..."
Junge Welt

"Die Mitglieder der Agentur wollen den Telearbeiter befreien. Sie wollen das Kapital ficken. Keine Zeit für Deserteure oder Sabotage. In der Gesellschaft des Debakels stürzen die Rechner von alleine ab... Ein Buch, das man in allen Lebenslagen mit sich führen kann, eine kleine Bibel für den Telearbeiter, der aus seiner elektronischen Einsamkeit heraus will."
plateaux

"Eine Melange breitgefächerter Medienphilosophie, immer gepaart mit einer gehörigen Portion Ironie und Sarkasmus – willkommen in den Endneunzigern!"
Das Narrenschiff

"Der niederländisch-australische Medienkultur-Theoretiker Geert Lovink begleitet die Entwicklungen des Super-Mediums Internet nun schon seit Dekaden. Dabei überrascht er die Lesenden immer wieder mit provokanten Thesen oder ungewöhnlichen Wegen. So publizierte er vor einem Jahrzehnt etwa im feinen supposé-Verlag im Rahmen der 'Agentur Bilwet' das wunderbare, kleine Buch Elektronische Einsamkeit, in dem Lovink und andere über die Bedrohungen des Internet-Zeitalters nach der Spaßgesellschaft nachdenken, während draußen im Leitmedium Fernsehen der 'lustige' Trash erst so richtig zum Mainstream wurde. Dabei besaß Lovink immer einen Witz und eine Praxistauglichkeit, die seine kulturpessimistischen Überväter der Kritischen Theorie gerne vermissen ließen."
Christoph Jacke, De:Bug, 6. November 2008

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