Von sich selbst wissen

Dieter Henrich erzählt über Erinnerung und Dankbarkeit

Konzeption und Regie: Alexandru Bulucz & Klaus Sander
Erzähler: Dieter Henrich
Aufnahmen: Klaus Sander
Schnitt und Mastering: Michael Schlappa
Produktion: supposé 2020

Box mit 2 Audio-CDs, 125 Minuten
und Booklet, 8 Seiten
ISBN 978-3-86385-200-9
Euro 28,00

Beschreibung

“In allem Wissen, auch im selbstvergessenen, im Schaffen wie im Betrachten, im Streit und in der Liebe, sind die gegenwärtig, die von sich selbst wissen.”

Auf Von sich selbst wissen, seinem wohl persönlichsten Dokument, gerät Dieter Henrich aus dem Gespräch heraus ins Erzählen, wie auch ins spontane Philosophieren. Im Medium seiner Stimme verlässt er die Strenge seiner Begründungen in der Philosophie und schlägt den Bogen von seinen weltweit beachteten Forschungen und Konzeptionen zu seiner Kindheit in der Weimarer Republik und seiner Jugend bis 1945. In der Erzählung einiger prägender und dramatischer Erlebnisse jener Zeit tritt etwas von den Motiven hervor, die Menschen in das Philosophieren hineinziehen und die eine der Wurzeln der kulturellen Bedeutung der Philosophie ausmachen. Er lässt nachvollziehen, warum alle Menschen im Ansatz von philosophischen Fragen bewegt sind – und wie dann der Alltag mit Metaphern für die Philosophie als solche aufwartet, bevor irgendein Bildungswissen von ihr die Menschen berührt hat. Philosophie als Disziplin – das ist für Dieter Henrich dann auch eine architektonische Kunst der Zuordnung von „riesigen Dimensionen des Nachfragens“, vergleichbar den Entwürfen jener Straßenbahnsysteme, die ihn schon als Kind faszinierten. Nie den Erfahrungen im Menschenleben samt seinen Verwirrungen und Ambivalenzen fern, richtet er den philosophischen Blick auf die eigenen Lebensprobleme und Krisenerfahrungen in einer Weise, die um eine allgemein zu begründende Tiefenanalyse bemüht ist. So blitzen in dem, was er in bildkräftiger Sprache erzählt, immer wieder Glanzlichter von Durchblicken und Perspektiven auf, die seiner philosophischen Besinnung entstammen. Ein langer Krankenhausaufenthalt in sehr jungen Jahren versetzte ihn bereits in den Konflikt zwischen der Möglichkeit der Nichtigkeit von allem, was verlässlich und bedeutsam schien – eine Frühgestalt von Nihilismus, gegen den sich die heimatliche Glückserfahrung im Leben mit den Eltern zu behaupten hatte. So sieht Henrich eine Verwandtschaft zwischen Philosophie und Religion, als deren Schnittstelle seine Gedanken zur Dankbarkeit gelten dürfen. Eine andere seiner Thesen, dass nämlich alle Menschen philosophieren, ist er abschliessend bereit, auf persönlichste Weise zu erweitern: Es gibt keinen guten Philosophen ohne eine Verletzung, die zu einer bewegenden Kraft auf seinem Weg geworden ist.

Inhalt

CD1
01  Dem Menschen eigentümlich
02  Philosophie als Architektur
03  Elternliebe und Existenzangst
04  Vorbild Platon
05  Hebammenkunst
06  Vergegenwärtigung des Nihilismus
07  Erinnerung und Dankbarkeit
08  Sammlung des Lebens
09  Kindererinnerungen
10  Erinnerungen mit Lebensbedeutung
11  Die Zeit läuft rund ab (Nietzsche)
12  In Gottes Namen (Leibniz)
13  Ewigkeit
14  Nie wieder so schön
15  Bei sich selber sein
16  Grundevidenzen

CD2
01  Ein schönes Alter
02  Alltagsdenken
03  Interpersonalität
04  Im Dritten Reich: Permanente Herausforderung
05  Kommandant
06  Geballte Krisenerfahrung
07  Der Lehrer als Fackelträger
08  Im Moment entstanden
09  Endlichkeit und darüber hinaus
10  Noch immer auf dem Wege
11  Vollendung im Mitsein

Hörprobe

CD1, Track 01  Dem Menschen eigentümlich

Pressestimmen

"Dieter Henrich ist ein Meister des erzählenden Gesprächs. Souverän überschaut der Gelehrte in diesem großartigen Dokument sein Leben und die Grundmotive seines Denkens. Philosophieren wird hier existentiell beglaubigt, spontan tastend, erstaunlich frei, dabei auch auf die Denkbewegungen der Philosophiegeschichte zielend. Henrichs Stimme entfaltet zudem eine suggestive Aura, die jeden in ihren Bann zieht."
Alexander Camann, hr2-Hörbuchbestenliste, März 2020

"Man kann sich wirklich sehr gut von Henrich mit auf den Weg des Philosophierens nehmen lassen. Man hört ihm sozusagen beim Denken zu. Und mir gefällt besonders, dass Henrich immer wieder Bezug nimmt auf das eigene Leben. Anspruchsvoll und trotzdem unterhaltsam."
Dorothee Meyer-Kahrweg, hr2-kultur Hörbuchzeit, 7. März 2020

"Wie sein Lehrer Hans-Georg Gadamer, der ebenfalls zu einem philosophischen Methusalem wurde, pflegt Henrich auch das Philosophieren im Gespräch. Er ist also die Idealbesetzung für die großartige Originaltonreihe mit Autoren und Wissenschaftlern, die Klaus Sander mit seinem Label supposé produziert und die man nicht genug feiern kann. Mündliche Erzählung macht hier Denken und Erinnerungen aufregend plastisch. Verblüffend ist bei Henrich die Lebhaftigkeit des Erzählens, rasch und ruhig zugleich, beweglich, mit angenehmer Stimme – gleichsam das gesamte Sein vorführend. Biografisches und Philosophisches fließen ineinander. So führt Henrich durch die Motive seines Lebens und zugleich durch zentrale Denkfiguren."
Alexander Camann, DIE ZEIT, 12. März 2020

"Wer das Leben nicht nur als Flucht nach vorne, sondern auch als dankbare Rückschau versteht, erlebt das Alter trotz aller Gebrechen als Zeit der Reife, in dem Denkmotive, die ins Unendliche reichen, weiter ausgefaltet werden können und vom Tod 'nur' unterbrochen werden. Dieter Henrich ist heute dreiundneunzig Jahre alt. Man hört ihm gern zu, in dem ruhigen Gefühl, dass hier ein Leben eine Form gefunden hat."
Thomas Thiel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. März 2020

"Henrich nimmt mit seiner angenehm parlierenden Stimme für sich ein; Persönliches und Philosophisches reichen sich ungezwungen die Hand – ein weiteres Audio-Porträt des kleinen supposé-Verlages, das zu hören sich lohnt."
Florian Welle, Süddeutsche Zeitung, 26. März 2020

"Er ist einer der bedeutendsten deutschen Philosophen des 20. und 21. Jahrhunderts: der 93-jährige Dieter Henrich. Und er ist ein Meister des erzählenden Gesprächs, wie er jetzt in dieser Aufnahme für die legendäre Original-Ton-Reihe des Verlags supposé beweist."
hr2-Hörbuchbestenliste, April 2020

"Dieter Henrich verortet sein Denken und Erleben in der Philosophiegeschichte, die er gewissermaßen en passant beim Erzählen Revue passieren lässt. Nie nehmen seine Reflexionen oder Erläuterungen dabei einen Seminarton an, noch fällt er in einen Wissenschaftsjargon. Im Gegenteil. Dieter Henrich wirkt wie in einem privaten Gespräch, in dem er seine Zuhörerinnen und Zuhörer an der Entwicklung seiner Gedanken teilhaben lässt."
Christel Wester, WDR 3 Mosaik, 7. Mai 2020

"Ein guter Philosoph muss nicht automatisch eine einnehmende, sympathische Persönlichkeit oder ein guter Erzähler sein, doch all das kann und ist Dieter Henrich! Wieder einmal ist es dem supposé-Verlagsleiter Klaus Sander gelungen, einen inspirierenden Kopf zum engagierten Plaudern zu bringen."
Kirsten Böttcher, B5 aktuell, 8. Mai 2020

"In Nichtphilosophen-freundlichen, wohldosierten Hörportionen kann man miterleben, wie Dieter Henrich autobiografische Schlaglichter mit seinen philosophischen Denkfiguren verknüpft: Was der Verlust seiner Mutter mit Hölderlin und Metaphysik zu tun hat, wie sich die jugendliche Krisenerfahrung in der NS-Zeit auf sein Selbstbewusstsein auswirkte, was Henrichs geliebte Selbstversuche in „Sekundenphilosophie“ mit James Joyce gemein haben, oder welch Glück ihm zuteil wurde, Hans-Georg Gadamer als platonischen Mentor gefunden zu haben, der ihn bestärkt habe darin, dass persönlichen Krisen oder scheinbaren Defekten auch großes Kreativitätspotenzial innewohnt."
Kirsten Böttcher, Bayern 2 Diwan, 10. Mai 2020

"Ein großartiges Hörbuch."
Knut Cordsen, Bayern 2 Diwan, 10. Mai 2020

 

 

Auszeichnungen

Ausgezeichnet von der hr2-Hörbuchbestenliste (März 2020)
Ausgezeichnet von der hr2-Hörbuchbestenliste (April 2020)
Hörbuch der Woche, B5 aktuell (Mai 2020)
Bayern 2-Favorit (Mai 2020)

Erzähler

Dieter Henrich, geboren 1927, war von 1981 bis 1994 Ordinarius für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Darüberhinaus unterrichtete er als Professor an der FU Berlin und der Universität Heidelberg, sowie als Gastprofessor an der Columbia University New York, der University of Michigan, in Harvard und Yale.

Verwandte Titel